Ein multiprofessionelles Team fördert und unterstützt Kinder und Jugendlichen in ihrer Entwicklung

Das Sozialpädiatrische Zentrum der Marienhausklinik St. Josef Kohlhof feierte sein 40-jähriges Bestehen mit einem Fortbildungssymposium

Dr. Reiner Hasmann (3. von links), der Leitende Arzt des SPZ, und das gesamte multiprofessionelle Team betreuen entwicklungsauffällige und behinderte Kinder und Jugendlichen. Mit auf dem Bild ist Dr. Hartmut Penner (4. von links), der als erster Leitender Arzt vor 40 Jahren das SPZ aufgebaut hat (Foto: as).

27.09.2018

Neunkirchen-Kohlhof (as). Der erste Programmpunkt der Feier zum 40-jährigen Jubiläum des Sozialpädiatrischen Zentrums (SPZ) der Marienhausklinik St. Josef Kohlhof Ende September gehörte – wie sollte es anders sein – den Kindern. Sie gestalteten den musikalischen Auftakt zum Fortbildungssymposium Emotionsregulation im Kindesalter, zu dem niedergelassene Ärzte, Therapeuten und Kooperationspartner eingeladen waren. Zusammen mit der Musiktherapeutin Monika Caracioni nahmen die Kinder die über 100 Gäste mit auf eine musikalische Reise durch das Land der Emotionen.

Seit über sieben Jahren gehört die Musiktherapie zum Behandlungskonzept des SPZ, denn über die Musik finden die Kinder leichter einen Zugang zu ihren Gefühlen, und sie kann ihre sozial-emotionale Entwicklung unterstützen. Damit ergänzt sie die medizinische Therapie, die psychologische Beratung und die therapeutische Förderung von Familien mit entwicklungsauffälligen und behinderten Kindern und Jugendlichen, die seit 40 Jahren im Mittelpunkt der Arbeit des SPZ stehen. „Sie werden betreut von einem multiprofessionellen Team aus Ärzten, Psychologen und Therapeuten“, sagte Dr. Reiner Hasmann, der Leitende Arzt des SPZ. So helfen etwa Psychotherapie, Heilpädagogik, Spiel-, Ergo- und Musiktherapie den Kindern, Probleme zu bewältigen, Defizite aufzuarbeiten und Verhaltensweisen zu erlernen, die es ihnen leichter machen, in ihrem Umfeld zurechtzukommen. 

Und dazu sei es wichtig, dass die Kinder in der Lage sind, ihre Emotionen auszubalancieren. Denn eine gestörte Emotionsregulation gefährde die soziale Entwicklung eines Kindes und den Erfolg in der Schule, sagte Prof. Dr. Franz Petermann vom Zentrum für klinische Psychologie und Rehabilitation der Universität Bremen. Die Kontrolle von Ärger zum Beispiel sollte schon im Kindergarten trainiert werden, so der Inhaber des Lehrstuhls für klinische Psychologie und Diagnostik in seinem Vortrag. Denn die Unfähigkeit mit Ärger umzugehen, sei der Vorläufer von aggressivem Verhalten bei älteren Kindern. Es fördere die psychische Gesundheit eines Kindes, wenn es seine Gefühle im Gleichgewicht halten kann. Günstige Strategien dafür würden im besten Fall in der Familie eingeübt.

Und so hänge die Emotionsregulation eines Kindes von seinem Entwicklungsstand, vom Klima in seiner Familie und von den Erziehungsfertigkeiten seiner Eltern ab. Durch Früherkennung sei es möglich, Defizite zu erkennen; und durch gezielte Förderung, wie sie im SPZ seit 40 Jahren mit großem Erfolg praktiziert wird, können Kinder emotionale Kompetenzen aufbauen und erlernen, wie sie ihre Gefühle ausbalancieren.

Wie gut Kindern und Jugendlichen dabei Entspannungstechniken helfen können, schilderte Prof. Dr. Ulrike Petermann in ihrem Vortrag. Die Professorin für Kinderpsychologie ist wie ihr Mann am Zentrum für klinische Psychologie und Rehabilitation der Universität Bremen tätig. Gerade bei Kindern mit einer gestörten Emotionsregulation könnten Übererregung, Aggression und Anspannung mit Entspannungstechniken und Ruheritualen abgebaut werden. Das unterstütze die Betroffenen und mache sie leichter zugänglich für die therapeutische Arbeit. Denn erst Entspannung und Gelöstheit ermöglichen eine Gesprächsatmosphäre, in der Reflektion, Selbstwahrnehmung und Verhaltensänderung möglich sind.