Nudeln gibt es jetzt nur noch montags

Seit Leonie-Sophie Leis an Diabetes Typ 1 erkrankt ist, wird sie von der Assistenzärztin Kristina Getzlaff (links) betreut und kommt mit ihrer Mutter alle drei Monate zur Kontrolluntersuchung in die Marienhausklinik St. Josef Kohlhof. Foto: as

26.09.2016

Assistenzärztin Kristina Getzlaff betreut in der Marienhausklinik St. Josef Kohlhof zusammen mit dem ehemaligen Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin Prof. Dr. Otto Schofer Kinder, die an Diabetes erkrankt sind

Neunkirchen-Kohlhof (as). „Es war ein großer Schock für uns, als wir erfuhren, dass unsere Tochter Diabetes hat“, sagt Ramona Leis. Letztes Jahr im Sommer war die damals sechsjährige Leonie-Sophie zusammengebrochen. Zuvor hatten die Eltern und Großeltern schon bemerkt, dass sie außergewöhnlich viel trank, keinen Appetit hatte und dauernd schlapp war. Mit dem Rettungswagen wurde das bewusstlose Mädchen damals auf die Kinderintensivstation der Marienhausklinik St. Josef Kohlhof gebracht. „In der Klinik wurden bei ihr extrem hohe Zuckerwerte gemessen“, erinnert sich ihre Mutter. Und Leonie-Sophie erhielt die Diagnose Diabetes Typ 1. Drei Tage blieb sie auf der Intensivstation, anschließend noch anderthalb Wochen auf der Normalstation. „In dieser Zeit haben wir ihren Zucker eingestellt und sie und ihre Eltern fit gemacht, dass sie den Alltag mit der chronischen Stoffwechselerkrankung gut bewältigen“, so Kristina Getzlaff. Die junge Assistenzärztin hat Leonie-Sophie im vergangenen Jahr auf der Intensivstation behandelt. Zusammen mit Prof. Dr. Otto Schofer, dem ehemaligen Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin, betreut sie die Kinder und Jugendlichen, die an Diabetes erkrankt sind.  

Und die Zahl dieser Kinder nimmt zu, beobachtet Kristina Getzlaff. Die meisten von ihnen haben Diabetes Typ 1, eine Auto-Immunerkrankung, bei der das Immunsystem Antikörper bildet, die die Insulin produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstören. Bei diesen Patienten bildet der Körper kein eigenes Insulin mehr. Die Folgen sind fatal. Wenn die Kinder Kohlenhydrathaltige Nahrung zu sich nehmen – das sind neben Süßigkeiten auch Grundnahrungsmittel wie Kartoffeln, Nudeln oder Brot – dann gelangen die durch die Verdauung in Zucker aufgespaltenen Kohlenhydrate ins Blut und reichern sich dort an. Denn das Insulin, das bei einem gesunden Menschen dafür sorgt, dass die Zuckermoleküle von den Körperzellen aufgenommen werden können und in Energie verwandelt werden, fehlt. Der Körper reagiert auf diese Zuckeranreicherung im Blut mit starkem Durst, gleichzeitig fehlt dem Körper Energie und die Patienten fühlen sich schlapp. Im schlimmsten Fall entgleist der Zucker und die Kinder fallen ins Koma – so wie Leonie-Sophie vor einem Jahr. „Und das ist lebensbedrohlich“, so Kristina Getzlaff. Der Ausbruch dieser Erkrankung kann nicht verhindert werden und sie ist auch nicht heilbar. Dennoch können die Kinder heute dank der modernen Medizin ein normales Leben führen und gesund groß werden.

Leonie-Sophie kennt sich inzwischen gut aus mit ihrer Erkrankung und sie weiß viel darüber. Nach anfänglicher Scheu geht sie heute ganz offen damit um. So misst sie ihren Blutzucker selbst. Dafür muss sie sich in der Regel drei Mal am Tag – meist vor dem Essen – in den Finger piksen, den Blutstropfen mit dem Messgerät auffangen und den Wert ablesen. Das Insulin spritzt sie sich unter Aufsicht der Eltern auch selbst, in der Schule schaut ihre Lehrerin, dass sie es richtig macht. Dafür verwendet sie einen sogenannte Insulin-Pen, mit dem sie die Insulinmenge einstellt, die sie benötigt. „Leonie-Sophie ist durch ihren Diabetes erheblich selbstständiger geworden“, berichtet ihre Mutter. Aber auch die gesamte Familie musste sich umstellen, „wir essen deutlich disziplinierter“. So achtet Ramona Leis noch mehr auf gesunde Ernährung, als sie es zuvor schon getan hatte. „Wir haben immer gerne Nudeln gegessen. Die gibt es jetzt nur noch montags“, sagt sie. Insgesamt äßen sie deutlich weniger Kohlenhydrate. Aber auf gelegentliche McDonald-Besuche muss Leonie-Sophie trotzdem nicht verzichten.

Regelmäßig jedes Vierteljahr muss Leonie-Sophie wie alle Kinder mit Diabetes zur Kontrolle zu Kristina Getzlaff. „Sie macht das großartig“, freut sich die junge Ärztin. In den Sommerferien hat Leonie-Sophie an der Diabetes-Schulungswoche teilgenommen, die das Haus für betroffene Kinder anbietet. Vormittags haben die Kinder Schulungen und nachmittags unternehmen sie Ausflüge. „Wir gehen zum Beispiel in den Kletterpark und ins Schwimmbad“, so Kristina Getzlaff. Dabei werden sie immer von Ärzten und Diabetesberatern begleitet. Mit dabei ist immer auch Stationsleiterin und Diabetesberaterin Melitta Grimm, die seit rund 30 Jahren  Kinder mit Diabetes betreut und anleitet. Die Kinder lernen, wie sie sich bei verschiedenen Aktivitäten verhalten sollen. So ist für sie ein Schwimmbadbesuch oft schwierig, denn die starke Bewegung führt dazu, dass der Blutzuckerspiegel sinkt. Das müssen die Kinder wissen. „Wir zeigen ihnen, was sie beachten müssen, und wie sie genauso viel Spaß im Schwimmbad und bei anderen sportlichen Aktivitäten haben können wie andere Kinder“, so Kristina Getzlaff.   

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