Miraz kommt am Schalttag und fernab vom Krieg auf die Welt

Die glücklichen Eltern Ghazale Khelo (36) und Idris Ibo (44) mit ihrem Neugeborenen Sohn Miraz. Fotos: Willi Hiegel

03.03.2016

Das syrische Baby Miraz ist gestern in Neunkirchen auf die Welt gekommen. Ein Schaltjahr-Baby. Seine Eltern haben die Frage, ob sie seinen Geburtstag 2017 am 28. Februar oder am 1. März feiern, schon für sich beantwortet.

"Der, der etwas schaffen will“, so übersetzt Assistenzarzt Tariq Daghman den kurdischen Namen Miraz. Miraz, 3360 Gramm schwer und 50 Zentimeter groß, hat gestern um 6.05 Uhr in der Marienhausklinik St. Josef Kohlhof das Licht der Welt erblickt. Somit gehört er zu den Menschen, die
streng genommen nur alle vier Jahre Geburtstag haben. Denn den 29. Februar gibt es erst wieder
im nächsten Schaltjahr 2020. Für seine Mutter, die 36-jährige Ghazale Khelo, steht aber bereits fest:
„Wir feiern seinen Geburtstag im nächsten Jahr einfach am 28. Februar.“Wäre es nach Plan gelaufen, wäre Miraz dem Schicksal eines Schaltjahr-Geburtstags entkommen, denn eigentlich sollte er erst heute auf die Welt kommen. Doch das Leben läuft eben nicht immer nach Plan. Davon weiß auch seine Mutter zu berichten.

Denn als sie sich Ende 2014 mit ihrem Mann Idris Ibo sowie ihren zwei Kindern entschließt, aus ihrer syrischen Heimatstadt in der Nähe von Aleppo zu flüchten, hätte sie nicht damit gerechnet, sechs Monate an der bulgarischen Grenze festzustecken. Umso froher war die Familie dann, als sie vergangenen Mai endlich im Saarland ankam. Seit Juni leben die kurdischen Jesiden in einer Zweizimmerwohnung in Bexbach. Ehemann Ibo ist glücklich, dass sein Sohn fernab vom Krieg auf die Welt gekommen ist. „Die Deutschen haben uns sehr freundlich aufgenommen“, sagt er mit einem breiten Lächeln. Auch über die Glückwünsche von Chefarzt Dr. Tamás Pinter und Hebamme Renata Nowottny freuen sich die Eltern sehr. Besonders bedanken will sich der 44-Jährige aber bei seiner Bexbacher Nachbarin Ulrike Wittling. Sie habe der Familie seit ihrer Ankunft und besonders während
Khelos Schwangerschaft sehr geholfen. Hilfe bekam die Familie auch von Assistenzarzt Daghman. Als gebürtiger Syrer sorgte er nicht nur als spontaner Dolmetscher dafür, dass dieser Artikel entstehen konnte, denn die Familie spricht neben Arabisch nur wenige Brocken Deutsch. Auch bei der Kommunikation mit den Ärzten hilft er der Familie. „Es gibt viele syrische Patienten, die kein Deutsch sprechen. Da springe ich gerne ein“, sagt Daghman fast akzentfrei.

Auch wenn Miraz in Neunkirchen geboren ist, ist er nicht automatisch Deutscher. Denn laut dem geltenden Geburtsortsprinzip hätte sich zum Zeitpunkt seiner Geburt entweder sein Vater oder seine Mutter seit wenigstens acht Jahren rechtmäßig in Deutschland aufhalten müssen. Auch eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung hätten sie vorweisen müssen. Auf diesen Titel warten Khelo, Ibo sowie ihre 13- und 17-jährigen Kinder noch. Dass Miraz bald Deutscher wird, ist aber Khelos großer Traum. „Ich wünsche mir, dass er Arzt wird“, fügt sie hinzu, denn Ärzte symbolisieren für die 36-Jährige Erfolg und Wohlstand. Jetzt heißt es für Miraz erst einmal weiter Ausruhen – das Pressegespräch hat er schon mal gekonnt verschlafen. (Saarbrücker Zeitung vom 1. März 2016, Neunkircher Teil, Autorin: Jasmin Kohl)

 

 

 

 

 

 

 

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